Austauschschüler Eric aus Taiwan als Ehrengast im Schützenzug

Zum Geburtstag Gleichschritt Marsch

Eric bei den Schützen. Sein Geburtstagsgeschenk hat dem jetzt 19-Jährigen „total viel Spaß gemacht“.

Bericht von Nicole Klappert im SauerlandKurier, 28.06.2017

Eric hat diesen einen, ganz besonderen schwarzen Blazer. An den heftet er Erinnerungen an Deutschland. Die Jacke wiegt inzwischen vermutlich einige Kilo – doch irgendwo muss noch ein Plätzchen frei sein für ein Andenken an diesen einen Tag: Schützenfestmontag in Grevenbrück, sein Geburtstag.

Eric, dessen eigentlicher Name Shao-Wei Lo lautet, hat einen weiten Weg hinter sich. In Flugmeilen zum einen, denn er kommt aus Taiwan. Zum anderen hat es ein wenig gedauert, bis er sich verständigen konnte. Inzwischen aber bekommt er das ziemlich gut hin, dafür, dass er nach einem dreimonatigen Einsteigerkurs Deutsch quasi ins kalte Wasser geworfen wurde. „Jetzt ist es ganz toll“, sagt er auf die Frage, wie es ihm denn in Deutschland gefalle.

Dass die Sprache der Schlüssel zu allem ist, ist kein Gerücht, und mit der Verständigung kam auch das Verstehen. „Alle Menschen waren offen“, freut Eric sich noch immer darüber, so gut aufgenommen worden zu sein. Er spricht inzwischen sogar so gut Deutsch, dass Feindifferenzierungen ihm keine Mühe bereiten. So findet er einen Schützen-Umzug „ganz lustig, aber nicht komisch“. Geliehenes weiße Hose, weißes Hemd, schwarzer Gürtel, schwarze Schuhe – alles hatte seine Ordnung, als Eric sich am Montag, dem Tag seines 19. Wiegenfestes, gemeinsam mit der Korporalsschaft Förde aufstellte.
Aus dem Wunsch, einfach nur zuzuschauen und mitzufeiern, war schnell die Idee geboren, selbst mitzugehen. Natürlich hat Eric auch schon Karneval gefeiert („Das war sehr interessant“) in seiner Zeit im Sauerland, so wie er überhaupt schon jede Menge erlebt hat in Deutschlan, Österreich, der Schweiz und Tschechien.

Hier, in seiner Wahlheimat auf Zeit, hat Eric sich Köln und Aachen, Berlin, Hamburg, Münster angeschaut. An erster Stelle steht für ihn München, wird dort doch das Auto mit den drei Buchstaben hergestellt – quasi der Stern an Erics Fahrzeughimmel. Für Deutschland als Basis seiner Europa-Abenteuer hat sich der Noch-Schüler (der nach seiner Rückkehr an der Universität Taipei, einer Partner-Uni der Siegener Hochschule, International Business studieren wird) auch deshalb entschieden, weil „Deutsche die Dinge ganz pünktlich machen“. Dass man hier mit Einkaufszetteln Richtung Supermarkt loszieht oder sich in Prospekten über Sonderangebote informiert, fasziniert ihn nach wie vor. In Lennestadt erlebt Eric den normalen Alltag Gleichaltriger, besucht die 11. Klasse des Gymnasiums der Stadt Lennestadt (GymSL). Das unterscheidet sich von der Schule in seiner Heimat in mindestens drei wesentlichen Punkten: in Taiwan machen Schüler mittags gemeinsam ein Nickerchen. Der Unterricht läuft frontaler ab, mit weniger mündlicher Mitarbeit. Außerdem tragen die Schüler dort Uniform, und dass das hier nicht so ist, bedauert Eric sehr: „Hier muss ich jeden Tag überlegen, was ich anziehen soll!“ Außerdem lernt er Karate, ist frischgebackener Gelbgurtträger.

Die Ankunft im Sauerland war ein Kulturschock: „Meine Stadt hat 20.000 Einwohner“, erzählt Eric über Nantou – kein Wunder also, dass er in Kirchhundem, Flape und Grevenbrück erst einmal große Augen bekam anlässlich dieser vergleichsweise kleinen Welt.

Inzwischen weiß Eric diese kleine Welt jedoch sehr zu schätzen. Das Austauschprogramm von Rotary International sieht Aufenthalte in drei Gastfamilien vor, eine davon waren die Schauertes in Grevenbrück, mit denen Eric auch das Schützenfest verbracht hat. Sie waren es auch, die eine (vorgezogene) Abschiedsparty für ihn ausrichteten, denn schon bald, am 9. Juli, wird Eric wieder in den Flieger Richtung Heimat steigen. Dann hat er, wie alle rotarischen Austausch-Schüler, auch den schwarzen Blazer im Gepäck – mit einer besonderen Erinnerung mehr daran.

Diese mit Andenken gespickten Blazer tragen die Schüler bei offiziellen Treffen (v.l.) Katie, Regina und Eric. Felipe fehlt auf dem Bild.

„Wie eine Achterbahn“

Erstmals Schnee und mehr Sicherheit: Felipe, Regina und Katie berichten von ihren Erfahrungen

Eric ist nicht der einzige Austauschschüler, der vor rund zehn Monaten über Rotary International ins Sauerland kam. Auch Katie aus Texas (17), Felipe (18) aus Argentinien und Regina aus Mexiko (18) blicken auf spannende Erfahrungen in Lennestadt und Olpe zurück, an denen sie die Leser des Kurier gerne teilhaben lassen.
„Mein Name ist Felipe Vanrrell, ich komme aus Argentinien und bin 18 Jahre alt. Als ich am 5. Januar in Deutschland landete, musste ich mich wegen der eisigen Kälte einleben, da ich nie im Leben Schnee gesehen habe. (…) Mein erster Eindruck in Deutschland, vor allem an der Schule, war die Sauberkeit der Toiletten, die Ordnung im Unterrichtszimmer und die Pünktlichkeit.
(…) Etwas komisch finde ich ja, dass man in die Schule ohne Uniform geht, und ich muss mich jeden Tag entscheiden, was ich anziehen soll! Ich fühle mich echt sicher, wenn ich durch die Straßen laufe, denn in Argentinien muss man aufpassen. Glücklicherweise spielt man und man guckt hier viel Fußball, das mache ich auch gerne. Glück auf, Schalke 04! Ich wohne das ganze Jahr im Sauerland und ich mag es absolut, mit diesen vielen Bergen, zahlreichen Wäldern und mit diesem unbeständigen Wetter! Ich liebe deutschland, hier habe ich meine zweite heimat. Ich möchte mich bei allen bedanken, die ich kennengelernt habe und die mich mit offenen Armen aufgenommen haben.“

Regina Alvarez Ortega, Mexiko: „(…) Ich habe mich entschieden nach Deutschland zu kommen, weil ich die Sprache lernen wollte und weil ich schon Leute aus dem Land getroffen habe, die mir sagte, dass es eines der besten Länder der Welt wäre, um einen Austausch zu machen. Und sie lagen ja nicht falsch. Das Leben in Deutschland hat mich verändert, aber es hat mich auch jeden Tag überrascht. (…) Das Leben im Sauerland ist eine ganz andere Welt in Deutschland. Ich fühlte mich von Anfang an begrüßt und ich füghlte mich nicht wie ein ausländischer, sondern wie ein Teil des Landes. Ich gehe in Olpe zur Schule, aufs Städtische Gymnasium. (…)Ich habe alles genossen, die Landschaft, das Essen (Currywurst undd Döner) und vor allem die Menschen. (…) Es wird schwer sein, nach Mexiko zurückzuukehren, ich muss meine Freunde zurücklassen! Es ist traurig, dass ein Austausch nur ein Jahr dauert. Aber die Erinnerungen und die Freundschaften haben wir ein leben lang.“

„Ich bin Katie Bober und ich komme aus den USA, genauer gesagt aus Texas. Meine Stadt heißt Burleson, sie hat 30.000 Einwohner und liegt in der Nähe von Dallas. Jetzt bin ich bei meiner dritten Familie in Kirchveischede, Familie Laarmann. Ich habe Deutschland gewählt, weil ich die Kultur und die Geschichte sehr interessant finde und ich wollte Deutsch lernen, weil ich International Business studieren möchte. (…)

Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich viele Erwartungen. Ich dachte, mein Austausch würde perfekt sein und ich könnte die deutsche Sprache sehr einfach lernen, aber das war sehr, sehr falsch. Am Anfang war es so schwer, Freunde zu finden, weil so viele Leute denken, dass sie schlechtes Englisch sprechen, so dass sie nichts mit mir gesprochen haben. (…) Mein Hobby hier in Deutschland ist Trompete/Waldhorn spielen. Bei meiner ersten und zweiten Gastfamilie habe ich in Oberhundem im Musikverein gespielt und bin bei ein paar Konzerten aufgetreten. Eines meiner Lieblingsdinge in Deutschland ist das Essen: Ich esse immer Döner, weil wir das in den USA nicht haben, auch Currywurst und Schokobrötchen. Die ganze Erfahrung war wie eine Achterbahn. Viele Höhen und Tiefen, aber glücklicherweise habe ich es geschafft. (…)“

Rotary-Club: Offen für alle

Der Rotary Club hat über die Jahre rund 50 junge Menschen in den Austausch gebracht. Dazu zählen auch die drei Jugendlichen aus Lennestadt, die der Kurier in seiner Ausgabe vom 24. Juni vorstellte. Wer an dem Austausch interessiert ist, muss nicht Mitglied des Rotary Club sein, das Programm ist offen für alle.