Vorläufige Ruhestätte für kanadische Soldaten

Geht es um den alten evangelischen Friedhof, kommt das Gespräch früher oder später immer auch auf den Flugzeugabsturz bei Melbecke am Ende des Zweiten Weltkriegs. Dort hinten unter dem Baum könnten sie gelegen haben, die sieben kanadischen Soldaten, die den Tod fanden, als ihr englisches Flugzeug über Obermelbecke abstürzte. Abgeschossen, wie es heißt.

Ob er Näheres darüber wisse? „Na klar, die haben zeitweise auf unserem Friedhof gelegen“, sagt dazu Pfarrer Hans-Joachim Keßler, der dem SauerlandKurier einen Blick in die alten Register der Verstorbenen und auf den Belegungsplan von Ende der 50er-Jahre gewährt. Laut dem Sterbebuch, das Pastor Keßler herbeiholt, verloren die sieben Männer im Jahr 1944 ihr Leben. Allerdings erscheint unklar, ob das Flugzeug am 14. oder am 22. März abstürzte. Sie seien „tot aufgefunden“ worden, steht fein säuberlich in den Spalten vermerkt. Definitiv beerdigte man sie am 27. März, mehreren Aussagen zufolge in der Nähe des mächtigen Baumes, der heute über den Gruften wacht.

In der Spalte „Ob kirchlichen Begräbnisses“ ist bei allen ein „nein“ notiert, sie wurden also ohne kirchlichen Segen beigesetzt. Es sei in Kriegszeiten vielleicht kein Pastor da gewesen, versucht sich Hans-Joachim Keßler an einer Erklärung. Die Vermutung liegt aber zumindest nahe, dass sie absichtlich ohne letztes geistliches Geleit in die Erde gelassen wurden: „Die waren auf einmal da, die Gräber“, erinnert sich Rudolf Seidenstücker, „das waren Feinde!“

Einer der sieben Männer trug den Namen John Jackson. Er und seine Kameraden blieben nicht in der Fremde auf dem alten Grevenbrücker Friedhof, sondern wurden drei Jahre nach Kriegsende nach Hause geholt.
Das Foto entstammt der Festschrift „50 Jahre evangelische Gemeinde“ von 1977.

Von Nicole Klappert
SauerlandKurier, 11.12.2016

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