100 Jahre Druckerei Greitemann in Grevenbrück

Wolfram Greitemann mit Simone Höltke und Barbara Dröge-Hülsmann (v.l.). Ein Bild von Opa Albert erinnert an die Anfänge vor 100 Jahren. Foto: Christian Weber

Kaum eine Branche hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so drastisch verändert wie das Druckereiwesen – viele haben den Wandel nicht überlebt. Umso eindrucksvoller ist es also, dass die Grevenbrücker Druckerei Greitemann jetzt ihr 100-jähriges Bestehen feiern konnte.
Der Buchbinder Albert Greitemann war es, der am 19. März 1919 sein Geschäft in Grevenbrück eröffnete. Gemeinsam mit dem Schreibwaren- sowie dem Spielwarenladen begann die Buchdruckerei mehr und mehr zu florieren.

Sein Sohn Heinz, ebenfalls Buchbinder und zusätzlich Schriftsetzermeister, führte den väterlichen Betrieb erfolgreich weiter. Im Jahr 1997 übernahm schließlich Wolfram Geitemann in dritter Generation den Familienbetrieb.
Schon in den Jahren zuvor brachte er frische Ideen und den Mut zur Veränderung mit in den Betrieb, um den rasch wechselnden Anforderungen der Branche gerecht zu werden. In den 1960er Jahren entwickelte sich zum Beispiel der Fotosatz. In den 70ern setzte sich der Offsetdruck durch, der heute bereits zunehmend vom Digitaldruck abgelöst wird. Immer neue Investitionen in Maschinen und EDV waren nötig, um beim Lauf der Dinge mithalten zu können.

Wolfram Greitemann, der 1980 die Meisterschule in Biberach erfolgreich beendet hatte, erkannte stets den Wandel und brachte seine Erfahrungen gewinnbringend in den Betrieb ein. In den 90er Jahren konzentrierte sich das Gewerbe dann nur noch auf die Druckerei, der Schreibwarenladen wurde aufgegeben. „Es waren erfolgreiche Jahre“, erinnert sich der Grevenbrücker.

Doch dann nahm der Siegeszug des Internet seinen Lauf. Heute sind vor allem China und die Onlinedruckereien ein großes Problem für so vergleichsweise kleine Druckereien wie das Traditionsunternehmen Greitemann. „Diese Dumpingpreise können wir einfach nicht mitgehen.“ Weitere Stolpersteine waren beispielsweise die Änderung der Verpackungsmittelverordnung, das schnelle Sprießen der Werbeagenturen, „die sich zwischen Druckereien und Kunden drängten“ oder auch die Euro-Umstellung. „Aber auch aus diesen Krisen haben wir uns rausgebuddelt“, erinnert sich der Drucker.

Gerade deshalb „erfüllt es uns mit Stolz, dass wir die 100 geschafft haben“, freut sich Wolfram Greitemann. Sein Dank gilt auch seiner verstorbenen Ehefrau Brunhilde, die ihm insbesondere nach dem Schlaganfall seines Vaters eine große Stütze war und ihm im Büro den Rücken freihalten konnte.

Mit Hilfe von Bürofachkraft Barbara Dröge-Hülsmann und Grafikdesignerin Simone Höltke hält sich Greitemann heute mit dem Druck von Prospekten, Briefbögen, Rechnungssätzen und Spezialaufträgen am Markt. „Im Gegensatz zum Internet sprechen wir mit unseren Kunden“, macht Greitemann den entscheidenden Vorteil deutlich. So können Wünsche und individuelle Vorstellungen der Kunden persönlich besprochen und danach vom Profi umgesetzt werden.

Trotz des besonderen Jubiläums ist das Ende der Erfolgsgeschichte der Druckerei Greitemann in Grevenbrück absehbar. „Es gibt keinen Nachfolger“, bedauert Wolfram Greitemann. Doch bis es soweit ist, machen der Meister und seine beiden Angestellten weiter mit Freude ihren Job.

SauerlandKurier vom 04.05.2019 – Christian Weber (c.weber@sauerlandkurier.de)

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