Grevenbrück atmet auf: rauchfreie Osterfeuer

Ab sofort Filterplanen nach neuen EU-Richtlinien

Für ein Gruppenfoto hatten die Osterfeuerbauer vom Kippel bereits gestern ihre Feuerstelle verhüllt.

Dass Rauch der Gesundheit schadet, ist auf eindrucksvollen Fotos auf jeder Zigarettenpackung zu sehen. Und seit dem Diesel-Skandal ist der hohe Feinstaub- und Kohlenmonoxid-Anteil in aller Munde. Die wachsende Anzahl von Kaminöfen und offene Feuer tragen hierzu ganz besonders bei – mehr wie die sowieso schon gefilterten Auspuffgase. Laut einer EU-Verordnung müssen deshalb ab dem 1. April Kamine und alle offenen Feuer mit einem zusätzlichen Feinpartikelfilter (FPF) versehen werden.

Am Samstag vor Ostern waren Mitarbeiter der Prüfstelle für Osterfeuer des Landes NRW in allen Städten und Dörfern unterwegs, um sich ein Bild zumachen, in wie weit die neuen Auflagen für Osterfeuer erfüllt werden. Manche Vereine konnten ihren mühsam aufgeschichteten Holzstoß gleich wieder abtragen. In Bonzel wird in diesem Jahr eine Riesen-Leinwand aufgestellt und per Beamer am Sonntagabend ein brennendes Feuer gezeigt. Angeheizt wird das ganze mit einem Feuerknistern aus Lautsprechern und Gas-Heizstrahlern – natürlich mit Filter.

Wer sein Feuer nach den neuen Richtlinien abbrennen will, benötigt eine FPF-PLane – luftdurchlässiges Gewebe, feuerfest nach DIN 0104, und groß genug um die Feuerstelle komplett abzudecken.

Zum ersten Mal haben sich die Grevenbrücker Osterfeuerbauer zusammengetan und mehrere hundert Quadratmeter dieser Wunderplane bestellt. 97,3 Quadratmeter benötigt alleine der Kippel – bekanntlich ist es ja eine „Mordskiste“ die dort aus Baumschnitt, ausgedienten Weihnachtsbäumen und Fichtenzweigen aufgeschichtet wird. Bereits am Mittag treffen sich heute, am 1. April, die Osterfeuerbauer um ihr Bauwerk mit diesem feinmaschigen Stoff zu verhüllen.

Die sogenannte Judas-Figur, die mitten im Feuer an einer langen Stange hängt, trägt dabei übrigens eine feuerfeste Weste und auch die Stange ist mit einer hitzebeständigen Metall-Legierung versehen. Ist die Feuerstelle abgedeckt, wird die Stange einfach wieder in der Mitte eingesteckt – sie kann im nächsten Jahr wiederverwendet werden. Der Anblick ist etwas gewöhnungsbedürftig, doch die Plane hat auch ihre Vorteile. So kann das Feuer nicht auseinanderbrechen, es gibt keinen Funkenflug und – absolut keinen Rauch. Das einzige, was am Feuer noch qualmt, das sind die Raucher.

Dirk Volpert, Vorsitzender vom Osterfeuerverein: „Kein schöner Anblick – aber als 1995 der Berliner Reichstag verhüllt wurde, war man anfangs auch skeptisch“.

Die Plane kann bis zu 4 mal wiederverwendet werden – je nach Feinpartikel-Anteil des Rauches. Dieser ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Stammen Weihnachtsbäume z.B. aus einem Raucher-Haushalt, ist die Dosis besonders hoch.

Sollte es am Ostersonntag regnen, werden die Feuerstellen bereits am Morgen bedeckt – die FPF-Planen sind bis zu einer Wassersäule von 9585 mm absolut regendicht.

Die Einachserfreunde vom Osterfeuer Petmecke testen bei einer Feinstaubpartikelfilterwanderung die Trinkfestigkeit der neuen Filter

Grevenbrück ist übrigens Vorreiter im Kreis Olpe, hier sind am Ostersonntag die Feuer am Kippel, am Kreuzberg und in der Lomke rauchfrei. Da der Osterfeuerplatz in der Petmecke sehr abgelegen ist, gibt es dort noch ein offenes Feuer. Für die Besucher sollen dort FPF-Masken verteilt werden. Diese sorgen zwar für freie Atemwege, man könnte aber Probleme beim Trinken bekommen. Und das ist das letzte, was man beim Osterfeuer gebrauchen kann.