Grevenbrücker beim „Spartan Race Ultra“ auf Island

„Wahnsinn!“: Sergej Neu nach 73 km auf Platz 38

Laufen bei Temperaturen um Null mit Windböen, Schneeregen und einem Gewicht auf der Schulter: Sergej Neu beim Iceland Race vor beeindruckender Kulisse. Fotos: Spartan Race

„Absoluter Wahnsinn!“ Sergej Neu ist auch einige Tage nach der „Spartan Race Iceland Ultra World-Championship 2017“ (15.-17.12.2017) am Rande der isländischen Hauptstadt Reykjavik noch voll aus dem Häuschen.
„Nach dem Zieleinlauf war ich völlig fertig und hatte Muskelkater, aber ich bin mega-glücklich, bei diesem Event dabei gewesen zu sein“, sprudelt es aus dem Grevenbrücker heraus. Der 30-Jährige, der für den TV Rönkhausen Fußball spielt, hatte diesen 24-Stunden-Crosswettbewerb als Sponsorenlauf zugunsten des Kinder- und Jugendhospizes Balthasar in Olpe in Angriff genommen.

Sergej weiter: „Die 100 Kilometer habe ich zwar nicht geknackt, bin aber mit meiner Platzierung ganz zufrieden. Ich bin 38. geworden, von 525 Startern haben 369 das Ziel erreicht.“

Was er verschweigt, aber seine Leistung noch bewunderungswerter macht, gab „Crewman“ Kevin Schulte aus Rönkhausen, der Sergej Neu begleitete, weiter: „Er hat sich schon ziemlich am Anfang des Rennens eine Muskelzerrung zugezogen, hat aber die Zähne zusammengebissen und ist trotzdem bis zum Ende durchgelaufen.“

Sergej gibt im Folgenden seine Eindrücke der „24 Stunden von Reykjavik“ in eigenen Worten wieder: „…Das Rennen begann mit einen Massenstart und einer circa 5 km langen Laufstrecke durch Hverageri, um das Starterfeld ,aufzulockern‘. Wieder am Dome angekommen, ging die eigentliche Runde erst richtig los. Die Runden führten um eine in der Nähe liegende Bergkette. Teilweise konnte man nur kraxeln, da die Strecke in der Dunkelheit komplett vereist war. Die Temperaturen schwankten zwischen + 5 und – 5 Grad und auf dem Berg wehten teils starke Winde. Das Wetter im Rennen hat einem wirklich alles geboten. Neben Hagel, Schnee, Windböen und Regen habe ich sogar die Nordlichter um Mitternacht beobachten können. Nach dem Regen waren die Carrys (Schleppen von Gewichten, die Red.) einfach brutal. Die 100 Elite-Starter führten einen Ausweis mit sich, der nach erfolgreichem Bezwingen der Hindernisse gelocht wurde. Fehlten am Ende der Runde Löcher auf dem Pass, mussten pro Hindernis 30 Burpees (Liegestützstrecksprung, die Red.) absolviert werden. Nach Mitternacht wurden nur noch 15 Burpees verlangt. Die Runden 2 und 3 sind mir mit jeweils 120 Burpees in Erinnerung geblieben. Im gesamten Rennen standen 420 Burpees für mich an…“.

Sergej6: Sergej an den „Rigs“. Auf den 73 Kilometern überwand er in 22 Stunden 114 Hindernisse.

„Zufrieden mit meiner Leistung“

Die Hindernisse pro Runde (ca. 11 km) sahen wie folgt aus: Pipe jump, Atlas carry (70 Pfund schwere Betonkugel 6 m schleppen, 5 Burpees und Kugel zurück bringen), Monkey Bar, Farmers carry: 2 Eisblöcke je 8 kg 10 m tragen, Twister, Bender, Vertikal Cargo, Tyrolean Rope, Rope climb, Olympus, Sandbag Carry I (60 Pfund schweren mit Sand gefüllten Neoprensack ca. 400 m schleppen), Bucket brigade (mit 50 Pfund Splitt gefüllten Eimer ca. 300 m schleppen), Vertical Cargo, Bender, Lattice wall, Spear throw (Speerwurf auf ein Schaumstoffkissen. Die Entfernung beträgt ca. 7m), Sandbag Carry II (mit 60 Pfund Sand gefüllten Neoprensack ca. 400 m schleppen), Plate drag (120-Pfund-Gewicht auf Schlitten am Seil ca. 6 m hin und zurück ziehen), Hercules Hoist (60-Pfund-Gewicht 6 m mit einem Seil über ein Rollengelenk hoch ziehen), Cargo Net und Multi Rig.

Sergej weiter: „…Zwischen den Runden konnte man im beheizten Zelt seine Ausrüstung wechseln oder vervollständigen. Einige nutzten auch die Gelegenheit, um sich kurz hinzulegen. Der Veranstalter führte noch eine Besonderheit ein. Läufer die nach 9 Uhr ins Ziel kommen, dürfen keine weitere Runde beginnen und sind somit Finisher. Sie hatten dadurch nicht die Möglichkeit, 24 Stunden zu laufen. Deshalb musste man taktisch clever vorgehen und die letzte Runde kurz vor 9 Uhr beginnen und zwischen 9 und 12 Uhr ins Ziel kommen. Alle, die nach 12 Uhr ins Ziel kamen, gelten nicht als Finisher. Mein Rennen konnte ich mit 22,5 Stunden beenden. Mein sehr ambitioniertes Ziel, 100 Kilometer zu laufen, habe ich verfehlt. Jedoch hätte ich bei meiner Vorbereitung niemals damit gerechnet, dass es so heftig wird – und so ging es den meisten Teilnehmern an diesem Ultra. Wenn ich drüber nachdenke, dass der Weltmeister von 2015, Robert Kilian, in 24 Stunden circa 103 km gelaufen ist, und ich erst seit vier Monaten professionell trainiere, bin ich zufrieden mit meiner Leistung…“.

Zu Buche stehen bei seinem Island-Abenteuer 6 Runden in 22,5 Stunden,73 km, 3050 Höhenmetern auf und 3050 ab, 420 Burpees, 114 Hindernisse, Platz 38. Sergej: „An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mich unterstützt, motiviert, aufgebaut, kritisiert und fit gemacht haben, sowie mir bei dem Zusammenstellen der Ausrüstung behilflich waren.“

Von Hartmut Poggel
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SauerlandKurier vom 6. Januar 2018