Museum präsentiert „Lennestädter Wäscheschatz“

Als das Mütterlein noch stickte

Buntwäsche war kein Thema, die Stoffe noch steif und die Hausfrau noch stolz: Von diesen Zeiten erzählt eine Kabinettausstellung ab Sonntag, 8. Januar, im Museum der Stadt Lennestadt: „Der Lennestädter Wäscheschatz – Tisch-, Gebrauchs- und Schlaftextilien aus 100 Jahren“.

Kleidung und Mode im Sauerland 1850 bis 1950 hatten bereits vor rund drei Jahren während der Ausstellung „störig!“ im Kulturbahnhof für Furore gesorgt, „die erfolgreichste Dauerausstellung, die wir je hatten“, erinnert sich Jürgen Kalitzki vom Museum.

Da war es nur konsequent, nun auch den Gebrauchswäscheschrank zu öffnen. Das hölzerne Schmuckstück steht in der Webstube des Museums, in der die Idee ihren Anfang nahm. „Da sind viele Dinge drin, die in Vergessenheit geraten sind“, weiß Liesel Steffen, die als Mitglied des Heimat- und Verkehrsvereins u.a. die regelmäßig stattfindende Kleine Wollwerkstatt betreut. Was an Leinenballen, -tüchern, -laken etc. in solchen Schränken gelagert wurde, steht bis Ostern hier im Mittelpunkt. Gemeinsam mit der Grevenbrückerin Antonia Krihl, Doktorandin der Kulturwissenschaften an der Universität Siegen, und Inge Knappstein stellte Steffen die Ausstellung zusammen und gestaltete sie. „Sie haben mich hier sehr unterstützt“, freut sich Jürgen Kalitzki über den ehrenamtlichen Einsatz.

Welche Textilien 1850, 1900 und 1950 gebräuchlich waren, bilden Steffen und Krihl in einer Küchenecke mit Tisch (samt herausziehbarer Spüle), Herd und Holztruhe ab, zeigen einen weiteren Esstisch (auf dem u.a. eine Decke aus dem Gasthof Molitor liegt) sowie ein Schlafzimmer, in dem ein vom Sperrmüll gerettetes Bett aus Kirschbaumholz einladend ausgestattet ist wie zu alten Zeiten.

Der ganze Stolz der Hausfrau

Und da hinten stehen sie, fein säuberlich aufgereiht in ganzer Pracht: die Paradekissen! „Der Stolz einer jeden Hausfrau!“, lächelt Liesel Steffen, die sich gut daran erinnern kann, dass auch in ihrer Jugend zu Weihnachten Bettwäsche unterm Baum lag – wenn sie selbst auch davon verschont blieb.

Bis 1850 sei alles aus Leinen hergestellt worden, weiß Antonia Krihl. Sämtliches von dem, was die Braut mit ins Ehe- und Familienleben brachte, wurde aus einem Ballen gefertigt und musste ein Leben lang halten – entsprechend kostbar war die Wäsche, entsprechend sorgsam wurde sie behandelt. „Wer davon zu wenig hatte, galt als arm.“

Im Vergleich zu heute war jedoch kein Schrank zu üppig bestückt. Im Babybett liegt ein Kissen, wurde das gewaschen, gab es ein weiteres, und noch eines lag als Ersatz bereit. Der Knecht hingegen schlief auf einen mit Ernteabfällen gefüllten Sack aus Grobleinen. Ab 1850 landete mehr und mehr Konfektion in den Schränken, die spätestens ab 1970 gang und gäbe war.

Da waren sie endgültig vorbei, die Zeiten, in denen die Aussteuer mit Monogrammen versehen und durchnummeriert wurde, damit der Bräutigam erstens wusste, was die Angetraute alles mitgebracht hatte und die Wäsche zweitens auf der Bleiche keiner Verwechslung zum Opfer fiel.

Überhaupt: Kein Gedanke an Vollwaschgang und Bügelbrett. Dass seinerzeit keine unerwünschten Falten warf, was Tisch und Bett bedeckte, dafür sorgte die Kaltmangel (Exponat des Monats Januar 2017 im Heimatmuseum). Das Rolltuch schützte die wertvollen Stücke vor Schäden durch den Druck der Walzen. Die Ausstellungsstücke entstammen fast samt und sonders eigenen Beständen, so Jürgen Kalitzki, auch einige Leihgaben seien darunter.

Es war jedoch nicht nur die Zeit der weißen Wäsche, es war auch die Zeit der dahinein gestickten Gebrauchslyrik: „Was Mütterlein mir einst beschert, halt ich in diesem Schranke wert, soll glatt und fein geordnet sein, dies einstens hielt mein Mütterlein.“

 

Offene Führung am Sonntag

Die Wäsche-Ausstellung wird bis zum 2. April gezeigt. Im Rahmen der Eröffnung am 8. Januar wird um 15 Uhr eine offene Führung durch die Dauerausstellung „Moderne Zeiten – Vom Leben im Sauerland 1850 bis 1955“ angeboten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, pro Person fällt eine Gebühr von 3 Euro an, Kinder nehmen kostenlos teil.

Zu dem Startbild: Jürgen Kalitzki, Liesel Steffen und Antonia Krihl (v.l.) freuen sich auf die Eröffnung der Ausstellung „Lennestädter Wäscheschatz“, deren Vorbereitungen gerade in die Endphase gehen. Foto: Nicole Klappert

 

Von Nicole Klappert – Sauerlandkurier vom 04.01.2017

Ausgehend von einem solchen Wäscheschrank ist die Ausstellung aufgebaut. Foto: Museum Lennestadt