Biogas Lennestadt GmbH stellt Insolvenzantrag

Geschäftsführung zieht die Reißleine. Technische Probleme in den Jahren 2014 und 2015 führen zu finanzieller Schieflage

Die Biogas Lennestadt GmbH in Grevenbrück hat kurz vor dem Jahreswechsel einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Siegen gestellt. Wie es mit dem Unternehmen, das in Grevenbrück am Remmelweg eine Biogasanlage betreibt, weitergeht, ist offen. Der Betrieb der Anlage wird zunächst weiter geführt.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Siegen am 30. Dezember den Rechtsanwalt Dr. Gregor Bräuer bestellt. Der sanierungserfahrene Düsseldorfer Rechtsanwalt, dessen Büro nach eigenen Angaben Erfahrung bei der Sanierung von Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien mitbringt, hat sich bereits vor Ort ein Bild über die wirtschaftliche Lage gemacht. Der Geschäftsbetrieb der Biogas Lennestadt GmbH wird derweil fortgeführt.

„Unsere Kunden können sicher sein, dass die Produktion und die Belieferung mit aus Biomasse erzeugter regenerativer Energie gewährleistet sind“, wird Geschäftsführerin Lisa Sternberg zitiert.

Repowering-Konzept

Durch die Vergärung von Biomasse wird in der Anlage seit 2012 Gas erzeugt, welches vor Ort in insgesamt vier Blockheizkraftwerken mit einer Gesamtleistung von rund 1,4 Megawatt für die Erzeugung von Strom und Wärme genutzt wird. Einnahmen erzielt das Unternehmen hauptsächlich durch die Einspeisung von Strom in das öffentliche Netz. Durch große technische Probleme gab es in den Jahren 2014 und 2015 unerwartete Produktionsausfälle. Statt der berechneten Auslastung von 94 Prozent war die Anlage nur zu 87 Prozent ausgelastet.

Die bestehende Anlage wurde in der Folgezeit zwar optimiert. „Trotz verbesserter Effizienz und Rentabilität konnten die in der Vergangenheit erlittenen Verluste nicht vollständig kompensiert werden“, heißt es in der Pressemitteilung des Isolvenzverwalters. Die Weichen für eine weitere Optimierung der Anlage wurden bereits vor dem Insolvenzantrag gestellt. Der Insovenzverwalter will das von der Geschäftsführung erarbeitete Repowering-Konzept, um Effizienz und Rentabilität weiter zu verbessern, nun prüfen und gegebenenfalls die Umsetzung begleiten. „Sicherlich ist es derzeit noch zu früh, eine abschließende und umfassende Stellungnahme abzugeben. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass das Unternehmen erhalten werden kann“, so der vorläufige Insolvenzverwalter. So sieht es auch Karl-Josef Stratmann, früherer Geschäftsführer und heute Vorsitzender des Beirats.

„Die Landwirte stehen voll hinter der Anlage und wir setzen alles daran, dass es weiter geht“, sagt er. Die Belieferung mit Biomasse sei auf jeden Fall gewährleistet. Angesichts immer neuer Umweltauflagen zur Behandlung von Gülle und Mist sei damit zu rechnen, dass künftig noch mehr Biomasse für die Anlage zur Verfügung stehen werde.

Landwirte sehen Chance

Die Beschäftigten des Unternehmens wurden am Dienstag auf einer Betriebsversammlung über das weitere Vorgehen informiert. Sie erhalten für die Monate Dezember 2016 bis Februar 2017 Insolvenzgeld über doe Bundesagentur für Arbeit. Eine entsprechende Vorfinanzierung sei bereits beantragt.

Unter dem Schutz der Insolvenzverordnung will die Biogas Lennestadt GmbH die begonnene Sanierung abschließen und sich auch finanzwirtschaftlich sanieren, sofern die Gläubiger mitspielen.

von Volker Ebert
aus WESTFALENPOST vom 05.01.2017

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