Alter Ev. Friedhof ist von Gestein und Hanglage geprägt

Problematisches Idyll

Die Hardt ist ein guter Ort für die letzte Ruhe. Und wer die Toten besucht oder hier spazieren geht, genießt eine prachtvolle Aussicht.
Doch vor ein Begräbnis hier oben, das steht fest, hatte der liebe Gott den Schweiß gesetzt. „Der Friedhof steht auf ein paar Zentimetern Boden. Da drunter sind die selben Steine, die da hinten im Steinbruch abgebaut werden“, erklärt Rudolf Seidenstücker, pensionierter Lehrer und Mitglied im Heimatverein.
„Die kamen denen ganz schnell entgegen, wenn sie da ein Grab machen mussten.“ Machen heißt konkret: sprengen. Und dann konnte es auch mal eine Wasserader treffen.
„Ich muss immer an die Beerdigung der zweiten Frau B. denken“, wirft Lieselotte Heydorn ein. „Wie die den Sarg in die Erde tun, da war die Grube mit Wasser zu. Ich sachte: Die haben sie ins Schwimmbad getan!“ Als der Friedhof öffentlich wurde und wuchs, erwies sich seine Hanglage als weitere Herausforderung. Zum Verdruss eines Nachbarn musste eine Mauer an dessen Grundstück errichtet werden. „Ohne wären die Särge da raus geflitscht!“, ist Rudolf Seidenstücker sicher.
Jetzt, da er unter Denkmalschutz steht, obliegt die Verantwortung für den Friedhof wieder der Kirchengemeinde. Hin und wieder setzt Pastor Keßler Leute ein, die Sozialstunden ableisten, um die bröselige Mauer zu flicken.
Dass das Areal unter Denkmalschutz gestellt werden sollte, stieß bei der Gemeinde nicht auf Begeisterung. Aber die Behörde sagte: Das Objekt zählt. Was die Verkehrssicherheit betrifft, so ist der alte Baum ein Problem, ebenso die Ziegelgruften, die im Gegensatz zu denen aus Granit nicht verfallssicher sind.
Schmierereien, ein zerschlagenes Kreuz, ein gestohlener Engel – die Abgelegenheit des Friedhofs schützte nicht vor Ärger, im Gegenteil.

Von Nicole Klappert
SauerlandKurier, 11.12.2016

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