Geschichte von Grevenbrück

Grevenbrück und Förde um 1925

EIN ORT MIT LANGER TRADITION

Geschichte

Der heutige Ort Grevenbrück ist aus den Teilen Förde und Grevenbrück entstanden. Der historisch bekanntere Ort ist Förde und dessen Burg. Förde lag um die katholische Kirche St. Nikolaus an der Veischede; heute erinnert daran noch der dortige Förder Platz. Grevenbrück lag gut 1 km weiter nördlich am Bahnhof in der Nähe der Lenne. Am 24. Dezember 1930 wurde die damalige Gemeinde Förde in Grevenbrück umbenannt. Grevenbrück verdankt seinen Namen der „Grafenbrücke“, einem wichtigen Lenneübergang, an dem sich die alten Fernwege „Römerweg“ und „Heidenstraße“ kreuzten. Eine erste hölzerne Brücke über die Lenne ist seit 1395 nachweisbar.

Im 12. Jahrhundert und im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts war die Burg Förde Sitz der Edelherren von Gevore, welche die Grafengewalt im Bereich des südlichen Sauerlandes innehatten. Die Burg Förde war deshalb auch unter dem Namen Burg Gevore bekannt – später wurde der Name Peperburg allgemein gebräuchlich.

Die Existenz der Burg bzw. der Edelherren von Gevore ist spätestens in einer Urkunde aus dem Jahre 1140, welche die Übertragung von Lehen an das Kloster Flechtdorf (Waldeck) durch den Kölner Erzbischof Arnold zum Inhalt hat, zweifelsfrei nachgewiesen. Zu den in der Urkunde unter den Edelleuten aufgeführten Zeugen zählt auch ein Henricus de Gyvore.

Im Jahr 1225 verlegten die Edelherren von Gevore ihren Herrschaftssitz auf die neu errichtete Burg Bilstein. Die Burg Förde bzw. Peperburg wurde in der Folgezeit zunehmend dem Verfall überlassen. Heute sind nur noch Mauerreste des ehemaligen Herrschaftssitzes zu sehen. Auf Betreiben des Heimat- und Verkehrsvereins Grevenbrück e. V. konnten im Zeitraum 1980 bis 1986 unter der Leitung des Westfälischen Museums für Archäologie Ausgrabungen an der Burg durchgeführt werden. Die ca. 3000 ergrabenen Fundstücke konnten der Zeit zwischen 1150 und 1275 zugeordnet werden. Die Funde waren eine wichtige Grundlage für die Errichtung eines Heimatmuseums.

Das Museum der Stadt Lennestadt wurde schließlich im Jahr 1983 mit der Dauerausstellung „Moderne Zeiten – Vom Leben im Sauerland 1850–1955“ im Alten Amtshaus Grevenbrück eröffnet. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde 1910 als Königlich Preußisches Katasteramt Förde im Kreis Olpe errichtet. Seit 1939 diente es über drei Jahrzehnte hinweg als Verwaltungssitz für das Amt Bilstein und wurde nach der Gemeindereform von 1969 noch von der Stadtverwaltung Lennestadt genutzt. Mit Fertigstellung des neuen Rathauses im Ortsteil Altenhundem im Jahr 1983 fand sich eine neue Verwendung des Gebäudes als Museum der Stadt Lennestadt. Wichtige Ausstellungsstücke sind neben einer Anzahl heimatbezogener Gegenstände, Bilder und Dokumentationen die bereits erwähnten Fundstücke der Grabungen an der Peperburg. Der Heimat- und Verkehrsverein Grevenbrück e. V. verpflichtete sich, den regelmäßigen ehrenamtlichen Aufsichtsdienst im Museum zu organisieren und sich um die Vervollständigung der Sammlung zu kümmern.

Bereits im Jahr 1879 wurde das Amtsgericht Bilstein nach Förde verlegt. Nachdem es zwischenzeitlich Amtsgericht Grevenbrück hieß, wurde es 1969 mit der Gründung der Stadt Lennestadt in Amtsgericht Lennestadt umbenannt. 2006 wurde ein neues Gebäude errichtet.

Sehenswürdigkeiten

Von den Sehenswürdigkeiten des Ortes ist zunächst das „Kriegerdenkmal Mälo“ in der Nähe der Pfarrkirche St. Nikolaus zu erwähnen. Es trägt die kniende Abbildung des legendären Sugambrer-Fürsten Mälo und eine Marmortafel mit den Namen der gefallenen Soldaten aus dem Amt Bilstein in den Kriegen 1866 und 1870/71. Das Denkmal mit der Figur des Mälo wurde im Jahr 1904 von dem Grevenbrücker Bildhauer Franz Belke geschaffen, die Gedenktafel aus Marmor schuf der heimische Steinmetz Anton Vogt. Das Denkmal wurde 1981 von einem auswärtigen Restaurator komplett renoviert.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist ein von einem örtlichen Unternehmer im Jahr 2002 gestifteter Nachguss der „Schweineglocke“ am Förder Platz. Das Original der Glocke stammt aus dem 12. Jahrhundert und befindet sich als eine der ältesten Glocken Westfalens im Westfälischen Landesmuseum in Münster. Einer Sage nach soll die sog. Schweineglocke als Burgglocke auf der untergegangenen Burg Förde (bzw. Peperburg) gedient haben und später von Schweinen in einer sumpfigen Wiese wieder freigelegt worden sein.

Die Liste der Baudenkmäler in Lennestadt enthält unter der Ortsbezeichnung Grevenbrück weitere sehenswerte historische Bauwerke, auf die dortigen Abbildungen und Beschreibungen sei hier verwiesen. Hervorzuheben ist das im Jahr 1711 errichtete Hofhaus Am Veischedebach.

Wirtschaft und Verkehr

Die im Jahr 1861 eröffnete Ruhr-Sieg-Strecke von Hagen nach Siegen wirkte sich (wie in den nahe gelegenen Orten Meggen, Elspe und Altenhundem) sehr positiv auf das wirtschaftliche Umfeld von Grevenbrück aus und begünstigte die Entstehung von Unternehmen der Eisen- und Metallverarbeitung. Auch Handel und Handwerk profitierten von der Entwicklung. Der Bahnhofsbereich in Grevenbrück wurde grundlegend saniert und modernisiert. Für den Autoverkehr wurde im Gleisbereich im Jahr 2002 eine Unterführung geschaffen. Eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer folgte im Jahr 2009. Das Erscheinungsbild des Empfangsgebäudes ist geprägt durch Stilelemente der englischen Tudorgotik, die insbesondere in den gedrückten Spitzbögen der Fenster zum Ausdruck kommt. Das Bahnhofsgebäude wurde umfassend modernisiert und zu einem Ess-, Kultur-, und Museumsbahnhof umgestaltet. Dabei blieb die unter Denkmalschutz stehende Fassade erhalten. Sowohl das Museum als auch die gastronomisch genutzten Bereiche des Gebäudes werden das Thema „Eisenbahn und Industrie“ aufgreifen. Der Kulturbahnhof wird musealer und gastronomischer Treffpunkt für die Bürger und Besucher Lennestadts sein.

Auswirkungen auf das wirtschaftliche Umfeld hatten für Grevenbrück u.a. auch: die Gründung der Kalkwerke Grevenbrück (1902), die Abwanderung des Betriebes Kruse Recycling GmbH und damit das Ende der langen Ära einer chemischen Fabrik in Grevenbrück (2001) sowie der Beginn der Rodungs- und Erschließungsarbeiten für das 45.000 m² große Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen Chemischen Fabrik (2001). Bis Mitte 2009 haben sich hier sechs Firmen mit insgesamt 160 Beschäftigten niedergelassen.

Die anlässlich des 875-jährigen Jubiläums 2015 herausgegebene Ortschronik enthält rd. 20 Kurzporträts größerer, in Grevenbrück ansässiger Unternehmen. Schwerpunktmäßig handelt es sich dabei um Betriebe aus den Bereichen Autozulieferer, Werkzeug- und Armaturenbau, Kunststofftechnik, Metallbe- und Weiterbearbeitung und Industriehallenbau.

Vereinsleben

Das Vereinsleben in Lennestadt ist vielfach von langer Tradition geprägt. Auf ein mehr als hundertjähriges Bestehen können acht Vereine aus den Bereichen Musik und Gesang, Wandern, Sport und Schützenwesen zurückblicken. Der im Jahr 1982 gegründete Karnevalsclub Grevenbrück ist durch seine Karnevalsumzüge am „Veilchendienstag“ über die Grenzen Grevenbrücks hinaus bekannt geworden.

Mit 3.638 Einwohnern zum 1. Juli 2016 ist Grevenbrück nach Altenhundem der zweitgrößte Ortsteil von Lennestadt.

Quelle: Wikipedia

Zeittafel von Grevenbrück-Förde